NARBEN – Neustadt in Holstein

8. September 2026 · 18:50 Uhr

NARBEN

Neustadt in Holstein

Manchmal verletzt man einen Menschen, obwohl man es niemals wollte.

Nicht, weil man ihn schlecht behandelt hat. Nicht, weil er einem egal ist. Sondern weil die eigenen Gefühle nicht dort angekommen sind, wo die des anderen längst waren.

Es ist schwer, jemanden anzusehen, der an etwas leidet, das man selbst nicht geben kann.

Man möchte den Schmerz nehmen. Möchte erklären, dass es nicht an ihm liegt. Dass er nicht weniger wert ist, nur weil das eigene Herz nicht dasselbe fühlt. Und gleichzeitig weiß man, dass selbst die ehrlichsten Worte manchmal weh tun können.

Vielleicht ist das eine der schwersten Formen von Abschied: Wenn man einen Menschen nicht aus seinem Leben verlieren möchte, aber trotzdem akzeptieren muss, dass Nähe für den einen etwas anderes bedeutet als für den anderen.

Man kann keine Gefühle erzwingen, nur damit ein anderer nicht verletzt wird.

Aber man kann ehrlich sein. Respektvoll bleiben. Und anerkennen, dass ein Mensch, der einem wichtig ist, durch die eigene Wahrheit trotzdem verletzt werden kann.

Manchmal hinterlassen wir dabei verbrannte Erde, obwohl wir eigentlich nur versucht haben, keinen weiteren Schaden anzurichten.

Und vielleicht bleiben am Ende nicht nur die eigenen Schuldgefühle zurück, sondern auch die Hoffnung, dass irgendwann etwas anderes als Schmerz von dieser Zeit übrig bleibt.

Die Erinnerung daran, dass da ein Mensch war, der uns wichtig war. Vielleicht auf eine andere Art, als er es sich gewünscht hätte. Aber deshalb nicht weniger ehrlich.

„Manchmal tut es weh, einen Menschen nicht lieben zu können – und noch mehr, zu sehen, dass er gerade deshalb an uns leidet.“

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